Keynote 1
04. Mai 2026 | 11:20 Uhr
Forschungsagenda der Hebammenwissenschaft in Deutschland – Prioritäten, Evidenz und Umsetzung
Der Wissenschaftsrat hat 2023 die Gesundheitsdisziplinen aufgerufen, für die weitere Entwicklung jeweils fachspezifische Forschungsagenden zu erarbeiten. Die Deutsche Gesellschaft für Hebammen-wissenschaft (DGHWi) und der Hebammenwissenschaftliche Fachbereichstag (HWFT) haben im Oktober 2024 diesen Entwicklungsprozess aufgenommen. Da der Hebammenwissenschaft in Deutschland systematische Forschungs- und Förderstrukturen fehlen und Forschungs- sowie methodische Entwicklungsbedarfe unzureichend erfasst und theoretisch gerahmt sind, birgt dieses Vorhaben großes Potential für die Disziplinentwicklung.
Ziel der Forschungsagenda der Hebammenwissenschaft in Deutschland 2026-2036 (HebFoA) ist, Forschungs- und methodischen Entwicklungsbedarfen in Hebammenarbeit und interdisziplinärer Geburtshilfe sowie der damit verbundenen Rahmenbedingungen zu identifizieren und zu systematisieren. Die Forschungsagenda soll zudem als Vorlage für einen bundesweiten Aktionsplan zur Förderung hebammenwissenschaftlicher Forschung und Disziplinentwicklung und als Orientierung für die Beantragung und Umsetzung von hebammenwissenschaftlichen Forschungsvorhaben und Forschungsschwerpunkte sowie für die Qualifizierung des wiss. Nachwuchses dienen.
Über eine Förderung der VolkswagenStiftung konnten DGHWi und HWFT bisher einen Scoping-Review und einen dreitägigen, partizipativ gestalteten, Scoping-Workshop mit 30 Expert:innen durchführen, um zentrale Entwicklungsfelder der Hebammenwissenschaft zu identifizieren. Diese Felder werden in sieben Arbeitsgruppen durch die Mitglieder von DGHWi und HWFT bearbeitet. Die Zusammenführung der Ergebnisse durch die Projektgruppe aus DGHWi und HWFT soll möglichst bis Ende 2026 abgeschlossen und die Forschungsagenda der Hebammenwissenschaft in Deutschland 2026-2036 (HebFoA) publiziert werden.

Univ.-Prof.in Dr.
Barbara Fillenberg
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Prof.in Dr.
Melita Grieshop
Professorin für Hebammenwissenschaft und Studiengangsleitung B. Sc., Evangelische Hochschule Berlin
Keynote 2
04. Mai 2026 | 14:00 Uhr
Wege bereiten, Horizonte erweitern: Die kollaborative und interdisziplinäre Entwicklung der Hebammenwissenschaft in Deutschland
Mit der Akademisierung des Hebammenberufes entsteht in Deutschland eine neue wissenschaftliche Disziplin: die Hebammenwissenschaft. Das DFG-geförderte Netzwerk Maieutic Endeavours: Theorizing Midwifery Practices (2024-2026) verfolgt das Ziel, diese Disziplin gemeinsam, aktiv, reflexiv und kollaborativ zu entwickeln. Im Zentrum steht die kritische, interdisziplinär inspirierte und praxisbasierte Analyse internationaler hebammenwissenschaftlicher Konzepte, Modelle und Methoden. Dabei werden diese nicht fraglos übernommen, sondern hinsichtlich ihrer Vorannahmen, Entstehungskontexte, Bedeutungsgehalte, Funktionen und Effekte untersucht. So können sie gezielt eingesetzt und weiterentwickelt werden. Ein besonderes Augenmerk gilt der Entwicklung einer hebammenwissenschaftlichen Kultur, die Offenheit, Vielfalt, Responsivität und gegenseitige Unterstützung fördert. Dabei wird thematisiert, wie Offenheit und Unsicherheit als alltägliche Realitäten der Versorgung in Forschung und Lehre adäquat begegnet werden kann. Die Netzwerkarbeit zeigt, dass interdisziplinäre Perspektiven für die Disziplinentwicklung besonders produktiv sind – ihre langfristige Bewahrung stellt jedoch eine Herausforderung dar, insbesondere angesichts wachsender disziplinärer Spezialisierung sowie politischer und gesellschaftlicher Anforderungen an die Produktion und Vertretung eindeutiger Evidenzen und Positionen. Eine Kultur der Relationalität zu gestalten, die Offenheit und Vielfalt pflegt, scheint nicht nur notwendig für eine ‚gute‘ hebammenspezifische Versorgungspraxis, sondern auch für die hebammenwissenschaftliche Lehre und Forschung.

Univ.-Prof.in Dr.
Annekatrin Skeide
Charité – Universitätsmedizin Berlin Institut für Hebammenwissenschaft
Keynote 3
05. Mai 2026 | 09:15 Uhr
Continuity and Change in Midwifery Science – Perspectives and Paradigms for Research and Practice
Over the past two decades, midwifery science has contributed substantially to improving care for mothers and babies worldwide. Research conducted by midwives, and research focused on midwifery, has produced impactful evidence that has influenced policy, practice, and outcomes. The 2014 Lancet Series on Midwifery identified 50 outcomes improved through midwifery interventions, with many of the underpinning studies led by midwives.
In Australia and New Zealand, our analysis of randomised controlled trials registered on the Clinical Trials Registry identified 50 midwife led trials, resulting in 35 peer reviewed publications. Midwifery continuity of care has been a dominant and influential research theme, and its importance is now recognised globally. The World Health Organization has endorsed this model through two significant publications designed to support countries in implementing midwifery continuity of care.
Despite this progress, further strengthening of midwifery scholarship is needed. This paper will explore the pathways to advance midwifery research capacity, focusing on answering the questions midwives identify as critical to improving care for women and babies. Ensuring midwifery science is recognised, valued, and amplified in all countries is essential. Achieving positive experiences and better outcomes for mothers and babies globally depends on the continued development and visibility of midwifery scholarship.
Caroline Homer is Deputy Director, Gender Equity, Diversity and Inclusion and co-head of Global Women and Newborn Health at the Burnet Institute and Emeritus Professor of Midwifery at the University of Technology Sydney.
Caroline has led research and development in midwifery, maternal and newborn health for in Australia and across the Asia-Pacific region for more than 25 years. She is the Chair of WHO’s Strategic Technical Advisory Committee for Maternal, Child and Adolescent Health and Nutrition. She has been a member of WHO Guideline Development Groups for many years including the recent PPH guideline and the antibiotic usage in labour recommendations.

Prof.
Caroline Homer AO
Deputy Director ‐ Gender Equity,
Diversity & Inclusion;
Co‐Head, Global Women’s and
Newborn Health;
Co‐Head, Immunisation and
Health Systems Strengthening
Burnet Institute
